DON Q in Russia

German Translation of the Review for the Perfomance of DON Q during the European Youth Theater Festival 2017
„Theatre Revolution 6“ in Kosmos Teatr in Tyumen, Russia at 2nd of March.

 

03 März 2017, Xenia Shilina:

Das Spiel des Verstands: DonQ – Fragmente einer Rittergeschichte“

Eine blecherne Rüstung, provisorisch mit Stoff vernäht, liegt wie fallen gelassen als Haufen in der Mitte der Bühne. Auf dieser Rüstung liegt und atmet schwer eine Maske. Ein Atem – und aus der Maske fliegt eine Feder. Eine gekrümmte alte Frau, die dem Tod ähnelt, fängt die Feder mit ihren Klauen und geht davon, die Seele des Helden bei sich – Don Q stirbt. Doch nach einem Augenblick erscheint er wieder auf der Bühne in Begleitung des dickbäuchigen, zufriedenen und lustigen Sancho Panza.

Das Theaterstück nach den Motiven der Werke von Cervantes und Bulgakow wurde im Rahmen des Hauptprogramms des European Youth Theater Festivals 2017 „Theater Revolution 6“ gezeigt. Das Stück „Don Q – Fragmente einer Rittergeschichte“ des jungen studentischen Kollektivs der Cammerspiele aus Leipzig wurde im Hauptprogramm des Festivals gezeigt. Auf dem Kopf trägt Don Q eine Schüssel anstelle eines Helms, seine Rüstung ist klapprig und verbeult, sein kleiner Bart verrutscht ständig. Über dem Gesicht trägt der Schauspieler eine Halbmaske à la italienischer Commedia dell’Arte. In dieser lustigen Erzählung über die Reisen des Ritters und Sancho Panzas reiten die Kameraden auf  Pferd und  Esel, fahren mit einem Boot. Als das Boot umkippt, klettern sie darauf und verharren dort wie auf einem Siegertreppchen. Wir sehen die Gestalten von Don Q und Sancho Panza: als kleine Gerippe-Puppen auf einem Holzpferd, als Schauspieler mit der Maske unter den Arm geklemmt, mit der Maske über dem Gesicht – die Larven und Bilder vermehren sich, erschaffen mehrere Realitäten auf der Bühne, jede dieser Realitäten hat einen eigen Don Q.

Die Macher des Stücks brechen die Bühnenrealität bewusst auf, vervielfältigen und zerstören sie gleichzeitig. Das Spiel wird dadurch unterstützt, dass sich ein Musiker in moderner Kleidung die ganze Zeit mit auf der Bühne befindet und E-Piano spielt. Als ob wir gleichzeitig mehrere Märchen sehen, eines im anderen. Cervantes parodierte den Ritterroman, Bulgakov dramatisierte Cervantes, die Cammerspiele nutzen die beiden klassischen Texte für die Arbeit mit dem Genre der Komödie, zusätzlich arbeiten sie mit Puppentheater – usw. usw. Ein komplizierter Effekt wird erschaffen durch die einfachsten Mittel. Die Schauspieler reagieren auf kleine Vorkommnisse im Publikum, zum Beispiel auf ein runter gefallenes Handy, schlagen dem Publikum vor, zu knurren, um den Hidalgo zu erschrecken. Als die alte Frau mit der Maske dem Helden erneut die Feder-Seele wegnimmt, bleiben die Puppen auf dem Holzpferd zurück – das heißt, die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Und hier stellt sich die Frage, ob er jemals war, ob er gestorben ist? Und was ist sein Leben? Wie Korowjew in „Meister und Margarita“ über jemanden, der Don Q ähnelte, sagte: „Dieser Ritter machte einmal einen platten Witz… der Witz, den er sich ausdachte, als er mit jemandem über Licht und Finsternis sprach, war nicht so gut. Danach musste der Ritter ein bisschen mehr und länger Witze erzählen, als er geplant hatte“. Ein lustiges Stück, ein Happy End. Doch geht man danach mit einer Frage an sich selbst raus. Und was ist mein Leben – vielleicht auch ein Witz, der ein bisschen länger dauert?

Original: here.