COMPANIA

Sincara
»Es ist Zeit, Gesicht zu zeigen!
Doch gib Acht, dabei das Gesicht zu verlieren!«
Compania Sincara ist ein 2016 gegründetes Theaterkollektiv mit Basis in Leipzig. Der Name Sincara (von spanisch sin cara, »ohne Gesicht«) spielt auf die besondere Theaterarbeit mit Masken und Figuren an, durch die sich die Compagnie auszeichnet.
Gesicht verlieren, um Gesicht zu zeigen: Dieses Bild hat Compania Sincara in der Leipziger Thea­terszene geprägt und sie bereits europaweit bekannt gemacht. Das Spiel mit Masken kann ermög­lichen, individuell Gesicht zu »verlieren«, die eigene Individualität zurückzu­nehmen, um kollektiv Gesicht zu »zeigen«, in größeren Zusammenhängen aufzugehen.
Jedes Stück wird in einem kollektiven Arbeitsprozess erarbeitet und lässt unsicht­bare Welten seh­bar werden, voll von Figuren und Geschichten, die etwas über das Menschsein erzählen. In ihrem spie­lerischen Umgang mit neuen und alten, experimen­tellen und historischen Spiel- und Erzählwei­sen schafft Compania Sincara Theatererlebnisse voller Spielfreude und Poesie.
Gesicht verlieren, um Gesicht zu zeigen: Das steht auch für einen politischen Anspruch, eine stete Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Verhältnissen. Die Compagnie versteht sich als euro­päisch, mit einer fließenden Spielweise, die sich in unterschiedlichen Räumen bewegt, Genre­grenzen durchbricht und sich nur schwer eindeutigen Kategorien zuordnen lässt.
Die Anfänge des Kollektivs liegen im Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, insbesondere in der Lehre Prof. Dr. Gerda Baumbachs. Die experimentelle Spiel- und Arbeitsweise der Compagnie erwuchs aus dem praktischen Ansatz ihrer Theatergeschichtsforschung, der »historischen Anthropologie des Akteurs«. Gerda Baumbach ist Lehrmeisterin, Förderin und Forderin. In ihren Vorlesungen lernten sich Rico Dietz­meyer, Capo­comico (Regisseur) der Compagnie und Maskenbauerin Franziska Schubert kennen. Beide hatten ihre künstlerischen Wege bereits begonnen, Dietzmeyer an den Cammerspielen, Schu­bert bei TheatreFragile und Familie Flöz, wo sie heute noch handwerklich-künstlerisch tätig ist.
Hinzu kam zunächst Schauspieler Philipp Nerlich sowie mit den folgenden Theaterarbeiten weitere Akteure und Theaterschaffende. Neben den dreien gehören heute zu Compania Sin­cara die Schau­spieler Marie Wolff und Eric Schellenberger, die Musiker Anuschka Jokisch, Johannes Golchert und Anselm Vollprecht, Bühnenbauerin Lisa-Maria Totzke, Schauspiele­rin/Dramaturgin Julia Ha­gen, Schauspieler/Techniker David Wolfrum und Christoph Püngel, der organisiert und Co-Regie führt. Für die jeweiligen Produktionen ergän­zen weitere Künst­ler das Ensemble.
An den Cammerspielen Leipzig erarbeitete die Compagnie seit 2014 vier Produktionen:
Die (Selbst)Natürlichen (2014), Don Q (2016), Candide oder Die letzte aller möglichen Welten (2016) und zuletzt Triton (2017), welche von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert wurde. Die Stücke werden nach der Premiere stets weiter­entwickelt und bleiben beweglich. Zum derzeit aktiv gespielten Repertoire gehören Don Q und Triton.
2017 etablierte sich Compania Sincara als eigenständiges freies Theaterkollektiv und reali­sierte seit dem bereits zahlreiche Theatergastspiele im In- und Ausland. Daneben bietet sie Workshops und Seminare zu Masken- und Figurentheater an, unter anderem am Institut für Thea­terwissenschaft Leipzig.
Tourneen und Gastspiele führten sie in den Jahren 2016 bis 2018 nach Tschechien, Russland, Estland, Ungarn und Österreich. Im April 2018 war die Compagnie mit DON Q zum interna­tionalen Theater­festival »MITEM« am Nationaltheater in Budapest eingeladen und dort im Programm u.a. neben Produktionen des Berliner Ensembles, des Theaters an der Ruhr oder des Staatlichen Akade­mischen Vachtangov-Theaters Moskau zu sehen.
Compania Sincara erhielt in verschiedenen Ländern mehrere Nominierungen und Auszeichnungen: 2016 erhielt das Kollektiv den »amarena« des BDAT. 2016 und 2017 folgten für die Produk­tionen DON Q und Candide oder Die letzte aller möglichen Welten jeweils Nominierungen für den Leipziger Bewegungskunstpreis.
Don Q erhielt den Hauptpreis sowie Preise für Masken & Kostüme (Franziska Schubert), beste Schauspielerin (Julia Hagen), bester Schauspieler (Philipp Nerlich & David Wolfrum) und beste Regie (Rico Dietzmeyer) des internationalen Theaterfestivals »Progress Sopron 2017« in Sopron, Ungarn, den Preis für die beste Inszenierung des internationalen Theaterfestivals »Ljubitelivõ 2017« in Sillamäe, Estland sowie den Preis für die besten Masken (Franziska Schubert) und die innovativste Inszenierung des europäischen Theaterfestivals »Theatre Revolution 6« 2017 in Tju­men, Russland.
Zudem war die Produktion im gleichen Jahr für den Fritz-Wortelmann-Preis in der Kategorie professioneller Nachwuchs nominiert.