Kohlhaas
Kohlhaas
Die Clowns Hanscarl, Pimpernelle und Mädesüß spielen mit »Michael Kohlhaas«
Frei nach der Novelle von Heinrich von Kleist
— 2025 —

Es spielen Paul Heimel, Hanif Idris, Claudia Lüftenegger | Musik & Komposition Sebastian Undisz | Regie Rico Dietzmeyer | Masken & Szenographie Franziska E. Schubert | Szenarium & Stückfassung Gerda Baumbach, Rico Dietzmeyer | Dramaturgie Kornelius Luther | Regieassistenz Mikko Will | Fotos Christian Leischner

Premiere am 25. September 2025 | Theater Plauen.

Eine Produktion des Theaters Plauen-Zwickau. Szenarium & Stückfassung der Compania Sincara.


Nächste Spieltermine
28.
FEB 26
19:30 Uhr
Theater Plauen, Kleine Bühne
Plauen
20.
MÄR 26
10:00 Uhr
Theater Zwickau, Gewandhaus
Zwickau
21.
MÄR 26
19:30 Uhr
Theater Zwickau, Gewandhaus
Zwickau
06.
APR 26
18:00 Uhr
Theater Zwickau, Gewandhaus
Zwickau
19.
MAI 26
18:00 Uhr
Theater Zwickau, Gewandhaus
Zwickau



Endlich! Kohlhaas – anders! Das wird keine x-beliebige Kleist-Interpretation. Das wird tolles Theater! Echt? Aber sicher! Da kannst du deine Pferde drauf verwetten. Kohlhaas und Clowns? Na klar! Die spinnen. Und wie! So einen Kleist hat man hier und dort und sowieso nirgendwo noch nie gesehen!

In Plauen erscheinen drei Clowns: Hanscarl, Pimpernelle und Mädesüß. Da sind sie – auf einmal. Und sie schaukeln. Schaukeln? Ja. Warum denn Schaukeln? Weil sie so das Auf und Ab der Welt am Laufen halten – behaupten sie zumindest. Und dabei, sagen sie, erfährt man allerhand: Dass nichts ist, wie es scheint. Und wenn sie einmal nicht schaukeln? Bleibt dann die Welt stehen? Kann sein, kann sein auch nicht. Da hilft nur eins: Ausprobieren. Im Moment ändert sich ja schon genug. Und dann? Haben sie endlich Zeit zu spielen. Zu spielen? Ja. Und was? Na, ganz klar: »Michael Kohlhaas«. Und warum ausgerechnet Kohlhaas? Weil es da auch ums Auf und Ab der Welt geht: »Mitten durch den Schmerz, die Welt in einer so ungeheuren Unordnung zu erblicken, zuckte die innerliche Zufriedenheit empor, seine eigne Brust nunmehr in Ordnung zu sehen.«

Also spielen sie – mit Kohlhaas. Dabei erzählen sie von der Grenze zwischen Recht und Gerechtigkeit, von der Sache mit der Rache, dem Leidensweg zweier Rappen, von ungeheuren Zufällen und einer ganz wunderlichen Liebe. Sie spielen mit Junkern und Astrologen, mit Richtern und Verliebten, mit einem Abdecker und mit Martin Luther – das ungeheure Auf und Ab des Michael Kohlhaas.

In der Bearbeitung von Rico Dietzmeyer & Franziska E. Schubert (Compania Sincara) wird die Geschichte um den Rosshändler, der von einem Junker um seine Pferde betrogen wird und dann auf sein Recht pochend bereit ist, die Welt in Schutt und Asche zu legen, auf ungewöhnliche und verliebte Weise erzählt. Entgegen jeder Erwartung begegnet man zunächst nicht Kleists berühmten Rechthaber, sondern drei liebevollen Gestalten, den Clowns Hanscarl, Pimpernelle und Mädesüß, die das Einzigartige des Abends ausmachen. Ihnen liegt nichts näher, als dem ausweglosen Auf und Ab der Welt damit zu begegnen, »Kohlhaas« zu spielen. Nur könnten sie sich dabei nicht uneiniger sein, wie man ihn spielt. Sie nehmen das Publikum mit auf eine wechselhafte Reise nach Kohlhaasenbrück und durch die verschiedensten Lesarten dieses Klassikers. Man muss dabei kein Kleist-Kenner sein, um mitgenommen zu werden und seinen Spaß zu haben: »Passschein, bitte!«

Ein bierernster Stoff, den man kaum leichter denken kann – und doch sind es hier Clowns, die ihn erzählen. Gerade dieser Widerspruch macht die Aufführung spannend. Denn die Clowns verweigern sich dem ehrfurchtsvollen Nachspielen … sie fügen Schichten hinzu, legen Brücken in die Gegenwart, machen klar: Kohlhaas ist nicht nur ein Fall aus dem 16. Jahrhundert, sondern eine Geschichte … die jede Zeit betrifft … Mit einfachsten Mitteln … entsteht eine Welt, die zugleich fragil und kraftvoll wirkt. Und wer lacht, lacht nie auf Kosten des Stoffes, sondern begreift ihn durch das Lachen neu. … Man spürt: Hier wird nicht nur gespielt, hier wird ausprobiert, improvisiert, gewagt, riskiert. Das Publikum reagiert entsprechend. Viele lachen, doch fast ebenso oft folgt eine nachdenkliche Stille. … Und man begreift: Genau so wird Kleist erfahrbar. Nicht durch Schwere, sondern durch Offenheit. Nicht durch das Totspielen des Textes, sondern durch dessen Verspieltheit. … Kleists Fragen haben ihre Schärfe nicht verloren. Dass sie nun von Clowns vorgetragen werden, wirkt nicht befremdlich, sondern erhellend. Sie legen frei, dass die Unordnung der Welt kein historisches Problem ist, sondern unsere alltäglichen »ups and downs«.

Freie Presse Plauen

Maskenspiel begeistert Experten und Laien. … Schon beim Betreten des Zuschauerraums im Zwickauer Gewandhaus ist klar: Diese »Kohlhaas«-Inszenierung wird ungewöhnlich. … Auf der Bühne schaukeln drei merkwürdige Gestalten. … Das ungewöhnliche Konzept – schwere Literatur leichtfüßig erzählt, ohne ihre Tiefe zu verlieren – kommt beim Publikum an.

Freie Presse Zwickau

Premierenjubel im Gewandhaus Zwickau: Dieses Stück sorgt für reichlich Gesprächsstoff. … Das ungewöhnliche Konzept kommt an. Lachen und Nachdenken lagen nah beieinander – und der Applaus im Gewandhaus bestätigte den Erfolg der Inszenierung.

Blick


Masken

Hanscarl
Pimpernelle
Mädesüß


Rollen

Kohlhaas, Burgvogt, Junker Wenzel von Tronka, Lisbeth, Martin Luther, Abdecker von Döbeln, Kämmerer Kunz von Tronka, Wahrsagerin, (weitere) Leiche der Frau des Burgvogts, Heerhaufen, blutige Leichen, Knecht, Meister Himboldt, Tross berittener Landsknechte, Oldenholm & Olearius (zwei Astrologen), Richter.

Sachen

Alte Schaukel, löchrige Stofflappen, Bockleiter, Feder, zwei Pferde-Marionetten, Peitsche, Haarklammer, Blutfäden, Strick, Klingel, verschiedene Bärte, alter Hut, noble Haube, bleierner Kamm, Geldbeutel, großer Löffel, Bundhaube, Astrologenhüte — daraus: Brandenburgisch-Sächsische Grenze, Tronkenburg, Wittenberg, Schlachtfeld, Erzschloss zu Lützen, Damm der menschlichen Ordnung, Theater, Schlossplatz zu Dresden, Astrologieturm, Richtplatz, Schafott, glänzende Rappen, abgehärmte Mähren.